„Design for Learning“, neue Rolle für Hochschullehrer: Lerncoach statt Wissensquelle

Unser traditionelles Bild des Hochschullehrers kommt noch aus dem 19. Jahrhundert: Der Gelehrte steht vorne am Pult, liest aus seinem Manuskript vor, und die Studierenden hängen an seinen Lippen und saugen das Wissen auf. Doch das hat mit der heutigen Hochschulrealität ähnlich viel zu tun wie eine Fabrik zu Beginn der industriellen Revolution mit Smart Factories. Die Lehrenden sind ebenso in eine neue neue Rolle hineingewachsen, denn sie verantworten das didaktische Design der Lehre, auch „Design for Learning“ genannt (um das Gegenstück „Design in Learning“, die Rolle der Studierenden beim Wissenserwerb, geht es im nächsten Blogbeitrag). Das „Design for Learning“ umfasst fünf Schritte:

Die fünf zentralen Schritte beim „Design for Learning“

1. Die Lehrenden setzen die Lernstandards: Sie definieren die Lernziele und legen fest, welche Lernmethoden die Studierenden zum Erreichen der Lernziele nutzen können oder sollen.

2. Sie erstellen unterschiedliche Lernmaterialien, um den Medien- und Lernpräferenzen der Studierenden Rechnung zu tragen. Dabei können sie aus ihrer Erfahrung schöpfen, welche Medien für welchen Inhalt am besten passen – so löst das interaktive Image das an der Tafel entwickelte Diagramm ab. Aus solchen kleinen (digitalen) inhaltlichen Einheiten, den sogenannten Lernobjekten, setzen sich die Lernmaterialien zusammen. Für die Lehrenden lohnt sich die Erstellung solcher Lernobjekte, weil sie diese immer wieder einsetzen können – in unterschiedlichen Kontexten und für unterschiedliche Gruppen.

3. Sie verbinden eigene und fremde Materialien zu einer nahtlosen Lernerfahrung für die Studierenden – wie gut das gelingt, hängt zentral von der Qualität des LMS ab. Ein zukunftsfähiges LMS erlaubt nicht nur die Integration unterschiedlicher Medien, sondern beispielsweise auch die Nutzung sozialer Plattformen wie Facebook oder Twitter, oder Weblogs und RSS. Und wieso sollten Lehrende nicht beispielsweise ihre Bookmark-Listen zu bestimmten Themen des Lehrplans für ihre Studierenden freigeben?

4. Sie nutzen fortlaufend Tests oder Quizzes, um den Lernfortschritt der Studierenden zu verfolgen und zu steuern.

5. Sie etablieren einen kontinuierlichen Feedback-Loop und nutzen dazu etwa Kommentarfunktionen, um Studierenden individuelle Rückmeldung zu ihrem Lernfortschritt zu geben.

„Losgröße 1“ für Bildung

Wie in der Smart Factory rücken individualisiertes Lernen und differenzierende Lehre die „Losgröße 1“ als Ziel in den Mittelpunkt – individuelle Produkte aus der Massenfertigung beziehungsweise individueller Unterricht trotz Massenuniversität. Doch wie lässt sich Lernen bei großen Gruppen von Studierenden personalisieren? Alexander der Große hatte Aristoteles als Privatlehrer, doch Lehrende müssen den Anforderungen vieler verschiedener Studierender gleichzeitig gerecht werden. Genau wie in der Smart Factory geht das nur durch den Einsatz von Technologie – dem angemessenen LMS.

LMS – Privatlehrer im digitalen Zeitalter

Was der Privatlehrer für Alexander den Großen, ist das LMS für den Studierenden von heute. Das LMS arbeitet mit den Lehrenden und Lernenden zusammen, um die individuell besten Lernmaterialien zu identifizieren und in der richtigen Reihenfolge zu präsentieren. Für den Lehrenden reduziert es den Aufwand und automatisiert dabei viele Tätigkeiten. Damit findet er beispielsweise Zeit für individuelles Feedback. Dazu hat jüngst IDC in einem White-Paper formuliert: „Die Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen den Anforderungen der Lehrkräfte und den Bedürfnissen der Studierenden zu schaffen, erfordert eine flexible und responsive Gestaltung des LMS“. Denn so werden Lernfortschritte für Lehrende und Lernende plastisch. Zugleich ändert sich die Rolle des Lehrenden – dem Informationszeitalter angemessen. Er ist nicht mehr primär Wissensquelle, sondern unterstützt den Studierenden als Leader, Coach und Motivator beim aktiven Lernprozess.

Neue Berufsbilder an den Hochschulen

Um diese vielfältigen Rollen erfüllen zu können, benötigen Lehrende allerdings selbst Unterstützung – denn das beste LMS hilft nichts, wenn es nicht zur Nutzung verführt. Die Unterstützung besteht einerseits in der Erstellung digitaler Inhalte und Lehrobjekte. Perspektivisch könnte dies eine Gruppe von Hochschulmitarbeitern übernehmen – die Digital Content Manager. Diese könnten zentral in der Hochschul-IT angesiedelt sein. Erforderlich ist aber auch die Auswertung der Ergebnisse, also stimmt die Passung zwischen Lernzielen und Lernmaterialien? Hier wären Data Scientist für die Hochschule gefragt. So führt der digitale Wandel an Hochschulen auch zu neuen Berufsbildern.

Es lebe das Lernen – Was ist Ihre Meinung? Wir von Canvas suchen den Dialog. Gerne würde ich Sie daher einladen, in einer unserer Veranstaltungen mehr über Canvas zu erfahren. Sie können mich gerne auch direkt kontaktieren, meine Kontakdaten finden Sie auf LinkedIn. Ich freue mich auf Sie.

 

Manuel Nitzsche
Regional Director, DACH